Urgetreide liegt voll im Trend und wird regelrecht als Innovation gefeiert! Eigentlich merkwürdig, wenn man bedenkt, dass diese Getreidesorten schon über zehntausend Jahre alt sind. Vielleicht kann man daraus sogar auf ein Umdenken in unserer Gesellschaft schließen, denn der Wunsch nach Nachhaltigkeit, Naturbelassenheit, Authentizität und Tradition wird scheinbar immer stärker.

Was Urgetreide damit zu tun hat?

Urgetreide sind tausende Jahre alte Getreidesorten, die als Vorgänger unserer modernen Hybridsorten gelten. Bis zum 19. Jahrhundert waren diese Getreidearten in Europa so gut wie ausgestorben. Aktuell gibt es aber eine Gegenbewegung. Der Anbau von Urgetreide ist nämlich essenziell für die biologische Vielfalt und Naturbelassenheit. Denn die Pflanzen werden in ihrer ursprünglichen, natürlichen Form belassen und nicht durch diverse Zuchtmethoden verändert.

Außerdem bieten sie eine Reihe von Vorteilen für die biologische Landwirtschaft. Durch ihre robuste Beschaffenheit kann beim Anbau von Urgetreide auf künstlichen Dünger verzichtet werden. Außerdem sind die Pflanzen deutlich weniger anfällig für Krankheiten, was den Gebrauch von Pflanzenschutzmitteln deutlich einschränkt.

Der Verzicht auf künstlichen Dünger und chemische Pflanzenschutzmitteln sowie ein mehrjähriger Anbau von Urgetreide schonen den Boden. Das führt wiederum zu ökologischer Vielfalt auf den Feldern.

Getreide in der Hand

Was Verival mit Urgetreide zu tun hat?

Wir von Verival haben uns schon lange vor der Trendbewegung mit dem Anbau und der Verwertung von Urgetreide in unseren Frühstücksprodukten beschäftigt und viel Erfahrung in diesem Bereich gesammelt. Da wir einen Beitrag zum Erhalt unserer Umwelt und der Förderung von Artenvielfalt leisten möchten, haben wir ein Projekt zur Rekultivierung alter Getreidesorten gestartet. Neben Dinkel, Roggen und Hafer verwenden wir für unsere Urkorn-Müslis auch die fast vergessenen Sorten Einkorn und Emmer sowie unseren sogenannten Verival-Weizen aus eigenem Vertragsanbau.

Noch mehr interessante Details zum Thema Urkorn hat unsere Gastautorin Barbara Kanzian für dich:

Der Agronom Peter Zübli stieß Mitte der 1950er Jahre auf einen fabelhaften Fund: Er entdeckte in einem kleinen Bauernhof in Buus (CH) ein paar Körner, die sich später als seltener weißer Emmer entpuppten. Anschließend wurde dieses Urkorn in die Datenbank alter Sorten von Pro Specie Rara aufgenommen. Niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass diese Körner rund 40 Jahre später eine Erfolgsstory begründen werden.

Da nämlich errichtete der Biologe Markus Jenny einen Schaugarten mit alten Getreidesorten, darunter der seltene Emmer und das Einkorn. Er wollte damit die Vielfalt an Tieren und Pflanzen auf dem Acker untersuchen. So konnte z. B. wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass gerade Bodenbrüter, wie die Feldlerche, vom extensiven Anbau des Emmers und Einkorns profitieren. Neben diesen neuen Perspektiven für den Artenschutz brachte das Projekt einen zusätzlichen ökologischen Mehrwert: Den Bauern der Umgebung gefiel diese Initiative und sie zogen mit. Heute wird auf rund 200 Hektar Emmer und Einkorn ökologisch angebaut und daraus konsequent nachhaltige Produkte hergestellt.

Urgetreidesorten wie Emmer, Einkorn und Dinkel wurden schon vor Jahrtausenden angebaut. Doch die neuen, auf maximalen Ertrag gezüchteten Getreidesorten verdrängten das Urgetreide. Spätestens mit dem Aufkommen der Bio-Welle Anfang der 1990er Jahre feiern die robusten Pflanzen ihr Revival und werden heute als hochwertig, ökologisch erzeugte Lebensmittel vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz wieder vermehrt angebaut.

Emmer

 

Robuste, feste Hülle

Bio-Bauern schätzen vor allem, dass sich die sogenannten Spelzgetreide wie Dinkel, Emmer und Einkorn besonders unbelastet von Umwelteinflüssen zeigen. Ihr Korn ist von einer festen Hülle umgeben, die sie vor sauren Regen, Feinstaub oder Sporenpilzen schützt.

Emmer und Einkorn zeichnen sich des Weiteren durch einen geringen Nährstoffbedarf aus und können auf trockenen und mageren Böden angebaut werden. Der besondere Vorteil des Ur-Roggens liegt z. B. in seinem kräftigen und feinen Wurzelsystem. Es durchdringt den gesamten Acker und bereitet ihn für einen anschließenden Gemüse- und Getreideanbau auf.

Die schützende Spelz-Hülle bewahrt aber nicht nur den Dinkel, Emmer und Einkorn vor Umwelteinflüssen, sondern in ihr liegt auch die Widerstandsfähigkeit dieses Urgetreides begründet. Durch die Hülle, die beim Entspelzen entfernt wird, enthalten die Körner weniger Schadstoffe und machen sie leichter verdaulich.

Einkorn

Gesundes Urkorn

Während das Weizenkorn durch neue Zuchtmethoden auch in der Glutenstruktur verändert wurde und damit auch der Glutengehalt stetig anstieg, blieben die Urgetreidesorten in ihrer ursprünglichen glutenarmen Form erhalten. Die Folge ist eine bessere Verträglichkeit.

Als ideale Alternative zu Weizen wartet z. B. Dinkel mit mehr Vitaminen auf und ist auch eiweißreicher. Und noch eine tolle Eigenschaft zeichnet dieses Urgetreide aus: Es liefert eine sehr gute Quelle für die Bildung von Serotonin, auch „Wohlfühlhormon“ genannt, das ihm eine stimmungsaufhellende Wirkung zuschreibt.

Mit den Urgetreidesorten wird nicht nur der Ackerbau, die Fauna und Flora vielfältiger, sondern sie beeinflussen auch unser Geschmackserlebnis: Auf den würzigen bis leicht nussigen Geschmack sind trendige Köche und Foodies ebenso aufmerksam geworden wie ernährungsbewusste Konsumenten. Ob in der Pasta, im Kuchen oder als Reis – das Urgetreide feiert in den tonangebenden Küchen sein Comeback. Und so verwundert es nicht, wenn die New York Times ihren Beitrag über das Urkorn mit dem Zitat des bekannten italienischen Küchenchefs Marco Canora schließt: „Jetzt gibt es eine Diskussion darüber, was ein Urkorn ist. Man muss wissen, wo es wächst und wer es angebaut hat. So wie früher bei den Äpfeln, so ist das jetzt mit den Körnern.“ (frei übersetzt)